Der DSL-Anbieterwechsel

de Aus gegebenem Anlass (der da wäre, dass ich mich einen großen Teil meines Arbeitstages damit beschäftige, seine Stärken und Schwächen im Prozesskontext zu finden) möchte ich gerne den DSL-Anbieterwechsel vorstellen.

Der Anbieterwechsel zwischen DSL-Providern ist ein Zusammenspiel aus insgesamt (im dümmsten Fall) 6 Parteien. Eine davon ist der Kunde, daher ist das hier mein Versuch, sicherzustellen, dass wenigstens ihr eure Sache richtig macht Emoji Smiley-06

Wie der Begriff schon sagt, ist der Sinn, dass man seinen DSL-Anbieter wechselt. Dem Kunden kommt bei dem Unterfangen das Gesetz zu Hilfe. Genau genommen der §46 TKG, der da besagt:

(1) Die Anbieter von öffentlich zugänglichen Telekommunikationsdiensten und die Betreiber öffentlicher Telekommunikationsnetze müssen bei einem Anbieterwechsel sicherstellen, dass die Leistung des abgebenden Unternehmens gegenüber dem Teilnehmer nicht unterbrochen wird, bevor die vertraglichen und technischen Voraussetzungen für einen Anbieterwechsel vorliegen, es sei denn, der Teilnehmer verlangt dieses. Bei einem Anbieterwechsel darf der Dienst des Teilnehmers nicht länger als einen Kalendertag unterbrochen werden. Schlägt der Wechsel innerhalb dieser Frist fehl, gilt Satz 1 entsprechend.

Das wie üblich sperrige Gesetzesdeutsch sagt im Grunde folgendes: Wenn du von DSL-Anbieter A zu DSL-Anbieter B wechseln möchtest, darf in dem Zuge dein Internet nicht länger als 24h ausfallen. Eigentlich soll es gar nicht ausfallen. Jetzt denkt sich der gemeine Deutsche ja, dass das ja nicht so schwer sein kann.

Um den nächsten Teil zu verstehen, ist es nicht verkehrt, die Grundlagen der deutschen Internetleitungsinfrastruktur zu kennen. Die habe ich hier erklärt. 

Da die letzte Meile immer dem magentafarbenen Riesen gehört, ist die An-/ oder Umschaltung einer DSL-Leitung nicht mal eben eine Sache von 5 Minuten. Ich sprach ja aber darüber hinaus von bis zu 6 Parteien in dem DSL-Anbieterwechselprozess. Kommen wir doch mal dazu.

  1. Der Kunde. Im Anbieterwechselkontext ist die Voraussetzung, dass der Kunde einen DSL-Vertrag bei einem deutschen ISP = Internet Service Provider = DSL-Endkundenprovider = da wo dieses Internet halt herkommt, hat, recht zentral. Also ohne „Altanbieter“ kein Anbieterwechsel – macht Sinn.
  2. Dann also der Altanbieter. Der hat diesen Kunden natürlich im System und kennt seine Vertragslaufzeit.
  3. Der neue DSL-Anbieter. Dort bestellt der Kunde, während er noch einen laufenden Vertrag beim Altanbieter hat. Das ist ein bisschen wie fremdgehen. Weil der Kunde dem Altanbieter am besten auch nichts sagt. Also nicht kündigt oder sonst wie die Pferde aufscheucht. Wieso, erkläre ich auch noch.
  4. Da der Altanbieter auch nur in aller Regel Leitungen mietet, muss er die Leitung bei einem sogenannten Teilnehmernetzbetreiber (TNB) anfragen. Davon gibt es in Deutschland mehrere. Jetzt kommt Hansischlau aus der Ecke und sagt: „Du hast doch gerade gesagt, das wäre der magentafarbene Riese!“ – Nun! Ich sagte, der letzte Teil der Leitung wird immer durch diesen magentafarbenen verwaltet. Alle Kupferdoppeladerleitungen laufen ja aber nicht nur bis zum kleinen Kasten draußen vor dem Haus, sondern von da laufen all diese Leitungen zu einem größeren Kasten und von da zu einem kleinen Haus, etc. Der Leitungsweg bis zum letzten Kasten wird durch eben jene Teilnehmernetzbetreiber verwaltet. Diese können selbst schon ganz schön viel mit der Leitung machen, ohne den letzten Teil, der vom magentafarbenen Riesen verwaltet wird, nützt das aber alles nix.
  5. Genauso wie der Altanbieter also mit seinem Teilnehmernetzbetreiber zu tun hat, der wiederum mit dem magentafarbenen Riesen zu tun hat, muss der neue Anbieter, wenn er die Leitung übernehmen will, ebenfalls einen Teilnehmernetzbetreiber damit beauftragen. Das kann zufällig derselbe sein, macht aber keinen Unterschied. Dieser muss ja auch wieder mit dem magentafarbenen Riesen in einen Dialog wegen eben jener Leitung treten.
  6. Nun, der magentafarbene Riese.

Die Konstellation ist also ca. folgende:

Neuer Endkundenprovider                    Kunde                    Alter Endkundenprovider
                                                                                                             
Neuer TNB                    magentafarbener Riese                    Alter TNB

Da waren sie also. Unsere 6 Probleme. Man kann sich vorstellen, dass die Abstimmung zwischen all diesen Parteien generell schon gut ablaufen muss, damit es zu keinen Problemen kommt. Jetzt kommt der Teil, den ihr, als Kunde, tun könnt, damit unsere abgestimmten Prozesse zwischen all diesen Parteien am besten greifen:

  1. Mit genug Vorlauf beim neuen Endkundenprovider bestellen. Hier gibt es eigentlich keinen maximalen Vorlauf. Generell sind 3 Monate vor Ende der Vertragslaufzeit beim alten Endkundenprovider eine gute Maßgabe.
  2. Nicht bei eurem Altanbieter kündigen, wenn ihr vorhabt, den Anbieter zu wechseln. Wenn ihr eine Kündigung einstellt und bestimmte Mechanismen nicht greifen, wird eure Leitung am Ende der Vertragslaufzeit gekündigt und abgeschaltet. Damit seid ihr definitiv offline.
  3. Solltet ihr Hinweis 2 vergessen haben und eure Kündigung schon rausgeschickt haben und habt keine Lust, diese zu widerrufen: Ruft euren neuen Anbieter an und informiert ihn über eure Eigenkündigung. Je nach Anbieter kann dieser dann noch entsprechend gegensteuern.
  4. Der Vorgang ist ganz einfach: Einfach z.B. 3 Monate vor Ablauf eurer Vertragslaufzeit bei eurem neuen Wunschanbieter bestellen und angeben, dass ihr von Provider xy kommt. Der neue Anbieter übernimmt dann den Rest. Er erfragt selber alle Vertragsdetails, die er zur Übernahme der Leitung wissen muss oder lässt dies durch den neuen TNB machen. Und genau für diese Absprache muss man genauso Zeit einplanen, wie für die eigentliche Anfrage zur Miete der Line beim neuen TNB bzw. beim magentafarbenen Riesen.
  5. Wenn ihr beim neuen Anbieter bestellt habt, wird euch dieser in aller Regel ein Formular zuschicken, auf dem ihr noch ein paar Angaben ergänzen und unterschreiben müsst. Dieses Formular solltet ihr so schnell wie möglich entsprechend unterschrieben mit korrekten Angaben zurückschicken. Vorher startet die Abstimmung mit dem alten Anbieter bzw. die Anfrage zur Leitungsübernahme nicht.

Schwupps! So einfach ist das Emoji Smiley-04

Kategorie(n): Telekommunikation

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